Auswärtssieg mit Tiefkühl-Effekt: D1-Mädels trotzen Hitze und Personalnot

Drei Punkte im Gepäck, die Tabellenführung gefestigt und den Kopf trotz glühender Hitze oben behalten: Die D1-Juniorinnen des Ludwigsfelder FC haben am vergangenen Wochenende beim MTV Wünsdorf einen bemerkenswerten 5:3-Auswärtssieg eingefahren. Was nach einem gewöhnlichen Pflichtsieg beim Tabellennachbarn klingt, entpuppte sich als eine geschlossene Willensleistung. Eine Woche vor der Generalprobe für das große Pokalfinale am 14. Mai bewies die Mannschaft, dass sie auch dann funktioniert, wenn die äußeren Umstände alles andere als sportliche Schützenhilfe leisten.

Die Geschichte dieses Spiels begann allerdings schon Wochen vor dem Anpfiff. Durch die Abstellung von vier Spielerinnen zur Landesauswahl und das Fehlen der lange verletzten Hannah schrumpfte der Kader auf exakt sieben einsatzfähige Mädchen zusammen, eine davon aus der D2. Unsere zahlreichen Bemühungen um eine Spielverlegung wurden von Wünsdorfer Seite konsequent abgelehnt. Dass die Gastgeber die Chance witterten, durch diese Umstände ein besseres Ergebnis zu erzielen, mussten wir letztendlich so hinnehmen. So mussten unsere sieben verbliebenen Spielerinnen bei den bisher höchsten Temperaturen des Jahres ohne jede Wechselmöglichkeit über die volle Distanz gehen, während der Gegner munter rotieren konnte.

Trotz der Unterzahl übernahm unsere Elf sofort die Initiative. Auf dem Kunstrasen, der die Hitze regelrecht nach oben abstrahlte, lief der Ball sicher durch die eigenen Reihen. Sophie belohnte den Aufwand mit dem frühen 1:0, doch eine Unachtsamkeit führte zum 1:1-Pausenstand. In der Kabine sahen wir in Gesichter, die bereits zu diesem Zeitpunkt von tiefer Erschöpfung und hochroten Köpfen gezeichnet waren. Die Laufarbeit, die jede Einzelne leisten musste, um die fehlende Mitspielerin zu ersetzen, war bei dieser stehenden Hitze auf dem Platz enorm.

Nach dem Seitenwechsel entwickelte sich die Partie als Spiel auf ein Tor. 30 Schüsse wurden insgesamt abgegeben (Gegner fünf), doch der Ball wollte zunächst nicht ins Tor. Zahlreiche Abschlüsse, ein Lattentreffer und mehrere hochkarätige Gelegenheiten ließen die Partie bei herunterblickender Uhr quälend lang werden. Dann rückte Alia, die eigentlich aus der D2 zur Unterstützung für die Defensive dazu geholt worden war, plötzlich ins Rampenlicht. Mit einem unwiderstehlichen Offensivdrang ließ sie den Knoten in der 53. Minute platzen und erzielte gleich zwei Treffer zur 3:1-Führung. Als Sophie nach einer mustergültigen Vorarbeit von Timea sogar auf 4:1 erhöhte, schien der Widerstand der Gastgeberinnen gebrochen. Doch die schwindenden Kräfte machten sich bemerkbar. Die Konzentration ließ nach und Wünsdorf kam tatsächlich mit ihren ersten Torschüssen in der gesamten zweiten Hälfte noch einmal auf 3:4 heran. Doch Alia machte schließlich mit ihrem dritten Treffer zum 5:3 alles klar. Ein besonderes Lob verdiente sich Louisa. Sonst eher in der Rolle der Ergänzungsspielerin, lieferte sie über die vollen 60 Minuten eine Meisterleistung ab, gewann nahezu jeden Zweikampf und glänzte durch eine intelligente Spieleröffnung.

Was nach dem Abpfiff folgte, wird den Mädchen wohl länger in Erinnerung bleiben als das nackte Ergebnis. Die völlige Erschöpfung wich einer spontanen Idee. Da ein See mitsamt Strandbad unmittelbar an den Platz grenzt, fiel die Entscheidung für die Abkühlung in Sekundenschnelle. Keine Badesachen dabei – egal. In den verschwitzten Trikots stürmte die gesamte Mannschaft direkt in den See.

Es war ein Bild mit Symbolkraft: Während die Hitze des Spieltags noch über dem Platz flimmerte, feierten die Mädchen ihren Sieg im kühlen Nass. Die ausgelassene Stimmung, das gemeinsame Hineinspringen und das Herumalbern im Wasser ließen die vorangegangenen Anstrengungen vergessen. Natürlich durfte auch der Trainer nicht fehlen. Unter Aufforderung und Jubel der Mädchen sprang er voll bekleidet hinterher. Solche Momente schweißen ein Team enger zusammen als jede Trainingseinheit. Es sind Erlebnisse, die bleiben. Mit diesem Rückenwind und dem Wissen, dass uns keine äußeren Umstände so leicht aus der Bahn werfen, blicken wir nun gespannt auf das kommende Wochenende gegen Tabellenschlusslicht Heidesee, dem letzten Punktspiel vor dem großen Pokalfinale, welches am 14. Mai im Ludwigsfelder Waldstadion steigen wird.