Der Blick auf die Tabelle erscheint ernüchternd. Platz 6, nur zwei Punkte. Wer jedoch genauer hinschaut, erkennt vor allem eines: eine Mannschaft, die sich in dieser Hallensaison kontinuierlich nach oben gearbeitet hat und sich nun bewusst dem Vergleich mit dem obersten Leistungssegment gestellt hat.
Bis zu diesem Turnier verlief der Winter nahezu makellos. Wie bereits im Vorjahr gewann unser Team jedes Hallenturnier, trat souverän auf und bestätigte seine Rolle als Maßstab im eigenen Bundesland. Das NOFV-Regionalturnier jedoch ist eine andere Kategorie. Hier treffen die Landesmeister der sechs nordostdeutschen Bundesländer aufeinander, hier wird Tempo, Robustheit und taktische Präzision auf höchstem Niveau eingefordert. Wenn man so will: Das ist nicht mehr Ligabetrieb, das ist die Königsklasse des Nordostens.
Die Spiele haben eindrucksvoll gezeigt, welche Parameter gefordert sind: Intensives Anlaufen, sofortiges Umschalten, hohe technische Sicherheit unter Druck. Hinzu kommt eine physische Komponente, die insbesondere in der Halle spürbar ist: kurze Wege, permanente Zweikämpfe, kaum Erholungsphasen. Wer als deutlich jüngstes Team des Turniers körperlich weniger Wucht mitbringt, muss das über Laufleistung, Spielintelligenz und zusätzlichen Aufwand kompensieren. Das kostet Kraft und genau diese zusätzliche Investition forderte über den Turniertag hinweg sichtbar Tribut.
Umso bemerkenswerter war der Auftakt. Gegen den späteren Turniersieger 1. FC Magdeburg erkämpfte sich unsere Mannschaft ein 0:0, nebenbei als einziges Team im gesamten Turnier ohne Niederlage gegen den späteren Titelträger. Disziplin, Kompaktheit und ein klares gemeinsames Verteidigungsverhalten machten diesen Punktgewinn möglich. Der Auftakt geglückt, die Hoffnung auf weitere starke Ergebnisse da.
Aber vor allem strukturell wurde deutlich, auf welchem Terrain wir uns bewegten. Vereine wie Union Berlin investieren erhebliche finanzielle Mittel in ihren komplett professionalisierten Mädchen- und Frauenbereich bis in die jüngsten Altersklassen. Spezialisierte Trainerteams, klare Entwicklungspläne und hohe Trainingsumfänge sind dort Standard. Diese Voraussetzungen spiegeln sich im Spiel wider – in Geschwindigkeit, Stabilität und Effizienz. Und vor allem in einer qualitativen Kaderbreite, die ihres Gleichen sucht. Jederzeit höchstes spielerisches Niveau und körperliche Präsenz von der Bank bringen zu können, schont nicht nur Kräfte, sondern sorgt für eine immer gleichbleibende Herausforderung, der man sich stellen muss. Solche Rahmenbedingungen schaffen einen Vorsprung, der im Breitensport ohne Neid anzuerkennen ist.
Und dennoch: Eine bessere Platzierung lag im Bereich des Möglichen. Besonders gegen Lübz war unser Team klar tonangebend. Die Anzahl und Qualität der Torchancen hätten zwingend zu drei Punkten führen müssen. Genau in diesen Momenten zeigt sich der Unterschied zwischen „gut mitspielen“ und „konsequent abschließen“. Diese Erfahrung ist wertvoller als jede theoretische Analyse, denn eine derartige Intensität lässt sich im Trainingsbetrieb kaum authentisch nachbilden.
Das Fazit fällt deshalb bewusst positiv aus. Unsere Mannschaft hat sich in diesem Winter ein neues Leistungsniveau erarbeitet. Der Abstand zur Spitze ist greifbar, nicht abstrakt. Das Ziel muss dabei nicht sein, dauerhaft auf NOFV-Ebene zu agieren. Entscheidend ist, aus diesem Vergleich die richtigen Schlüsse zu ziehen: im Tempo, in der Athletik, in der Effizienz vor dem Tor. Wer im Land die führende Rolle behaupten und weiter ausbauen will, braucht genau diese Referenz.
Mit Blick nach vorn ist die Ausgangslage vielversprechend. In der Liga stehen wir aktuell auf Rang zwei, das Halbfinale um die Meisterschaft ist klar im Visier und unbedingtes Ziel. Der Anspruch, der sich daraus ergibt: Konstanz zeigen, Spiele kontrollieren, möglichst jede Partie erfolgreich gestalten. Bereits am kommenden Sonntag wartet im Landespokal mit dem Tabellenführer Babelsberg 03 die nächste Bewährungsprobe. Ein schweres Duell, aber auch eine große Chance. Das Finale ist ein realistisches Ziel. Idealerweise im eigenen Stadion. Der LFC hatte bereits 2023 und 2024 das Pokalfinale ausgetragen und sich für diese Saison erneut darum beworben. Eine Entscheidung wird in den nächsten Wochen erwartet.
Am Ende der Hallensaison bleibt: Dieses Turnier hat keine Illusionen zerstört, sondern Perspektiven geschärft. Es hat gezeigt, wo wir stehen und wie weit wir bereits gekommen sind. Die Richtung stimmt. Jetzt gilt es, den eingeschlagenen Weg mit Entschlossenheit weiterzugehen. Das Trainerteam und auch die Mannschaft ist dazu bereit. Das war in den letzten Wochen deutlich zu spüren. Nun heißt es, die gute Vorsätze in die Tat umzusetzen.