FINALE! – D1-Mädchen drehen Spiel und schlagen Dauerrivalen Wandlitz

Finale! Der LFC gewinnt ein denkwürdiges Pokalhalbfinale gegen Eintracht Wandlitz mit 2:1 und macht den Traum vom Endspiel im eigenen Stadion wahr.

Es war alles angerichtet für einen besonderen Fußballtag. Sieben Grad, Regen in der Luft, dazu eine Kulisse von deutlich über 100 Zuschauern. Für ein D-Juniorinnen-Spiel eine außergewöhnliche Atmosphäre. Auf dem Platz zwei Teams, die sich seit Jahren kennen und nichts schenken. Wandlitz als Serienpokalsieger und Dauermeister, der LFC als Herausforderer, der im Hinspiel bereits ein Ausrufezeichen gesetzt hatte. Beide Seiten mit mehreren Spielerinnen frisch aus dem Lehrgang der Landesauswahl. Mehr Qualität geht nicht. Spannung von der ersten Minute an.

Und der LFC war sofort da. Mutig, präsent, mit klaren Aktionen nach vorne. Zwei, drei frühe Abschlüsse setzten ein erstes Zeichen. Doch auch Wandlitz zeigte, warum sie über Jahre das Maß der Dinge waren. Ein Distanzschuss zwang Timea früh zu einer starken Parade. Es entwickelte sich ein intensives Spiel, in dem jede Aktion Gewicht hatte.

Dann der Schock in der 16. Minute. Ecke auf den kurzen Pfosten, ein Klärungsversuch, der Ball landet unglücklich im eigenen Tor. 0:1. Ein Moment, der ein Spiel kippen kann. Doch diese Mannschaft schüttelt sich.

Die Antwort kommt prompt. Nisa fasst sich ein Herz, zieht aus der Distanz ab, der Ball klatscht an die Latte. Der Ausgleich liegt in der Luft, doch stattdessen folgt eine Phase, die das Spiel fast vorzeitig entschieden hätte. Chaos im Strafraum, mehrere Abschlüsse aus kürzester Distanz, Timea rettet, Zoey klärt auf der Linie, weitere Schüsse werden geblockt. Minuten, in denen auf der Bank der Puls nach oben schnellt und auf dem Platz jeder alles reinwirft.

Der LFC übersteht diese Druckphase, findet zurück in die Ordnung und übernimmt wieder mehr Kontrolle. Und dann kommt die Szene, die diesem Spiel ihre ganz eigene Dramaturgie gibt. Freistoß für den LFC nach Handspiel, linke Seite, gute Position. Leni schnappt sich den Ball, läuft an und zieht direkt ab. Der Ball schlägt ein, der Jubel bricht los. Doch sofort gehen die Arme bei Wandlitz nach oben. Lautstarke Proteste auf dem Platz, von der Seitenlinie, von den Rängen. Die Gäste fordern vehement einen indirekten Freistoß und reklamieren sogar, die Schiedsrichterin habe den Arm gehoben. Die Situation wird unübersichtlich, kurz herrscht völlige Verwirrung. Die Schiedsrichterin bleibt ruhig, nimmt sich einen Moment und klärt dann konsequent. Handspiel bedeutet direkter Freistoß, kein erhobener Arm, alles regelkonform. Auch die Videoaufnahmen bestätigen das später eindeutig. Die Entscheidung steht. Tor. 1:1. Ein Ausgleich, der nicht nur sportlich wichtig war, sondern auch mental das Spiel kippte.

Und der LFC nutzte genau diesen Moment. Nur drei Minuten später der nächste Stich. Abstoß, zunächst kurz ausgeführt, dann ein weiter Ball von Timea tief in die gegnerische Hälfte. Zoey startet, setzt sich über links durch, treibt den Ball bis fast zur Grundlinie und macht dann etwas, womit wohl kaum jemand rechnet. Aus spitzem Winkel hebt sie den Ball hoch aufs Tor. Ein schwieriger Ball, der sich lange in der Luft hält. Die Wandlitzer Torhüterin verschätzt sich, der Ball klatscht an den langen Pfosten und springt von dort ins Netz. 2:1. Ungläubiges Staunen, dann pure Explosion auf den Rängen. Auch hier wieder Proteste, diesmal wegen einer vermeintlichen Mittellinienregel. Doch das zuvor kurze Abspiel macht alles regulär. Das Tor zählt. Spiel gedreht. Wahnsinn.

Wandlitz drückt noch einmal vor der Pause, sucht die Antwort, doch klare Chancen bleiben aus. Mit der Führung geht es in die Kabine.

Die zweite Halbzeit wird zu einem reinen Kampfspiel. Hohe Intensität, viele Zweikämpfe, viel Leidenschaft auf beiden Seiten. Jeder Ball wird gejagt, jeder Meter verteidigt. Torchancen sind selten, weil beide Teams alles investieren.

Der LFC hat dennoch Möglichkeiten, den Deckel draufzumachen. Zoey und Nisa scheitern an der Torhüterin, später zieht Elsa aus der eigenen Hälfte ab, der Ball segelt über die Keeperin, landet aber knapp neben dem Tor. Es bleibt offen. Es bleibt eng.

Und dann die Szene, die dieses Spiel endgültig entscheidet. In den Schlussminuten kommt Wandlitz noch einmal. Ein Lupfer hebelt die Abwehr aus, die Stürmerin frei vor dem Tor. Fünf Meter. Der Ausgleich scheint sicher. Doch Timea reagiert überragend, wirft sich in den Ball, blockt den Abschluss mit vollem Einsatz. Eine Parade für das Finale.

Kurz darauf der Abpfiff. Und dann bricht alles heraus. Spielerinnen und Trainerteam fallen sich in die Arme, von der Tribüne hallt es über den Platz: „Finale!“. Im eigenen Stadion. Gegen den großen Rivalen durchgesetzt, gegen ein Team, das diesen Wettbewerb über Jahre geprägt hat.

Was diese Mannschaft ausmacht, war in diesen Minuten überall zu sehen. Jede Spielerin für die andere, jede Aktion getragen von Vertrauen und Zusammenhalt. Da steht nicht einfach ein Team auf dem Platz. Da steht eine Gruppe, die füreinander durchs Feuer geht. Die Rückschläge gemeinsam wegsteckt. Die sich gegenseitig trägt, wenn es eng wird. Genau das hat dieses Spiel entschieden.

Auch deshalb geht dieser Sieg in Ordnung. Weil der LFC nicht nur fußballerisch dagegengehalten hat, sondern als Einheit aufgetreten ist. Weil in den entscheidenden Momenten jemand da war. Ein Block, eine Grätsche, eine Parade, ein Geistesblitz. Und weil dieser Glaube immer spürbar war.

Die Diskussionen auf Seiten der Gäste verblassen daneben schnell. Am Ende bleibt die Leistung auf dem Platz. Und die war auf beiden Seiten hochklassig, mit insgesamt zehn Auswahlspielerinnen ein echtes Topspiel auf diesem Niveau. Nur eben mit dem besseren Ende für den LFC.

Nach dem Spiel wurde genau das gefeiert. Gemeinsam mit den Fans, die diesen Tag besonders gemacht haben. Transparente wurden ausgerollt, Fotos gemacht, Umarmungen ausgetauscht. Ein Moment, den man festhalten möchte. Und später dann ganz bodenständig bei einem Essen um die Ecke. Weil solche Tage genau dafür da sind.

Am 14. Mai in Ludwigsfelde steht das Finale an. Im eigenen Stadion. Vor großer Kulisse. Gegen Eintracht Miersdorf/Zeuthen. Die Chance, diese Reise zu krönen. Die Chance auf den Titel. Und vor allem die Chance, sich für all das zu belohnen, was dieses Team über Monate hinweg investiert hat.

Viel Zeit zum Durchatmen bleibt allerdings nicht. Der Spielplan hat seinen ganz eigenen Humor. Am kommenden Sonntag geht es in der Liga schon wieder gegen Wandlitz. Auswärts. Die Möglichkeit zur Revanche für die Gastgeber. Und gleichzeitig die Chance für den LFC, mit einem weiteren Sieg eine echte Vorentscheidung im Titelrennen zu setzen. Brisanter geht es kaum.

Dieses Halbfinale hat gezeigt, was in dieser Mannschaft steckt. Nicht nur an Qualität, sondern an Herz, an Charakter, an Zusammenhalt. Und genau deshalb fühlt sich dieser Finaleinzug nicht wie ein Zufall an, sondern wie der verdiente nächste Schritt.

Jetzt fehlt nur noch einer. Und dieses Team wird alles dafür geben.