LFC startet Initiative für Frauenfußball

Gemeinsam mit Blau-Weiß Beelitz hat der Ludwigsfelder FC eine Initiative für den Frauen- und Mädchenfußball in Brandenburg gestartet.

Am 10. Oktober 2026 treffen sich die Delegierten zum 11. Verbandstag in Blankenfelde-Mahlow. Auf der Tagesordnung: die Abschaffung des Frauen- und Mädchenausschusses im Fußball-Landesverband Brandenburg. Das müssen und wollen wir verhindern! Gemeinsam haben wir einen Offenen Brief verfasst, den über zwanzig weitere Vereine aktiv unterstützen. Am 2. August wurde dieser veröffentlicht, zeitgleich erschien ein Artikel in der Märkischen Allgemeinen Zeitung. Der Brief wurde an die Vereine und Delegierten in ganz Brandenburg verschickt. Auch über die Landesgrenzen hinweg wurde die Aktion bereits registriert. So drückten mehrere Berliner Vereine ihre moralische Unterstützung aus.

Teilt auch ihr unsere Initiative, sensibilisiert eure Delegierten, unterstützt unseren offenen Brief und setzt euch gemeinsam mit uns dafür ein, dass dieses wichtige Gremium erhalten bleibt. Nur so kann der Frauen- und Mädchenfußball im Land Brandenburg auch weiterhin eine eigene, starke und notwendige Stimme haben.



Offener Brief
an die Delegierten des Verbandstages,
die Kreisvorstände
sowie das Präsidium des Fußball-Landesverbandes Brandenburg (FLB)

  

Brandenburgs Frauenfußball droht die strukturelle Entmachtung: Stimmen Sie gegen die Abschaffung des FMA!

Sehr geehrte Delegierte, sehr geehrte Vereins- und Verbandsvertreter,

im kommenden Oktober entscheidet der Verbandstag des FLB über eine weitreichende Satzungsänderung. Das Präsidium plant unter anderem die vollständige Auflösung des Frauen- und Mädchenausschusses (FMA). Die bisher eigenständige, stimmberechtigte Vertretung dieses Wachstumsbereichs im Verband soll ersatzlos gestrichen werden. Künftig sollen die Belange der Frauen im Spielausschuss und die der Mädchen im Jugendausschuss mit jeweils lediglich einer einzigen Stimme eingebracht werden.

Wir fordern Sie als stimmberechtigte Delegierte der Vereine nachdrücklich auf: Stimmen Sie gegen diese Satzungsänderung und verhindern Sie die strukturelle Entmachtung des Frauen- und Mädchenfußballs in Brandenburg.

Die Argumente für diese Ablehnung sind eindeutig:

 

  1. Beschluss ohne Grundlagen – Eine Satzungsänderung auf bloßen Verdacht

Das Präsidium des FLB verlangt von den stimmberechtigten Vereinsvertretern im Oktober ein folgenschweres Votum auf Basis eines unvollständigen Entwurfs. Auf den Staffeltagungen wurde unumwunden eingeräumt, dass die konkrete Organisationsstruktur, die künftige personelle Besetzung, die exakte Aufgabenverteilung und die konkreten Stimmrechte erst nach dem Verbandstag ausgearbeitet werden sollen. Wesentliche Fragen zur Gesamtverantwortung für den Frauenbereich oder zur künftigen Budgethoheit sind ungeklärt.

Dieses Vorgehen bricht mit allen Regeln einer seriösen Verbandspolitik. Die Abschaffung einer bewährten und verankerten Institution darf niemals am Anfang eines Reformprozesses stehen, sondern sie darf allenfalls das Resultat eines nachweislich besseren, fertig ausgearbeiteten Konzepts sein. Wer dieser Satzungsänderung zustimmt, erteilt dem Verband einen Blankoscheck für die unkontrollierte Abwicklung unserer und anderer Interessenvertretungen.

  

  1. Das Zerrbild der Gleichberechtigung – Strukturelle Chancenlosigkeit

Die geplante Reform beruht auf einem grundlegenden Missverständnis von Gleichberechtigung. Echte Gleichberechtigung bedeutet nicht, zwei völlig unterschiedlich große und spezifische Bereiche identisch zu behandeln. Sie bedeutet, beiden Bereichen die Möglichkeit zu geben, ihre Interessen gleichwertig in Entscheidungsprozesse einzubringen.

Der Frauen- und Mädchenfußball ist zahlenmäßig deutlich kleiner als der Männer- und Jungenbereich. Werden beide Sparten in einem gemeinsamen Ausschuss zusammengelegt, entsteht eine dauerhafte Konkurrenz um Aufmerksamkeit, Zeit und finanzielle Mittel. In einem solchen System der reinen Stimmenmehrheit wird der deutlich kleinere Fachbereich mathematisch und politisch strukturell unterlegen sein und seine Vorhaben nur schwer umsetzen können.

 

  1. Verlust der finanziellen Autonomie und Budgetkonkurrenz

 Der Frauen- und Mädchenausschuss besitzt in seiner jetzigen Form ein unschätzbares Doppelprivileg: ein eigenes Stimmrecht bei Vorstandsbeschlüssen des FLB und die uneingeschränkte Hoheit über einen eigenen Etat. Dieses Budget sichert die zielgerichtete Durchführung von Turnieren, Sichtungsmaßnahmen und gezielten Vereinsförderungen ohne administrative Rechtfertigungsschleifen gegenüber anderen Sparten.

Die geplante Reform überführt diese finanzielle Autonomie in die Zuständigkeit von Großausschüssen. Dort konkurrieren die finanziellen Bedarfe des Frauen- und Mädchenfußballs künftig direkt mit den Belangen des zahlenmäßig weit überlegenen Männer- und Jungenbereichs. In gemischten Gremien verlagern sich finanzielle Prioritäten erfahrungsgemäß immer zugunsten der Mehrheit. Ohne finanzielle Souveränität ist jede politische Stimme wertlos.

  

  1. Fachkompetenz lässt sich nicht in Großgremien verwalten

Der Spielbetrieb der Frauen und Mädchen unterliegt sportlichen und logistischen Gesetzmäßigkeiten, die sich fundamental vom Männerfußball unterscheiden. Es sind spezifische Fachfragen wie Norweger oder Brandenburger Modell zu klären, es müssen die Rahmenbedingungen räumlich großer, aber korrekter Staffeln bei wenigen Vereinen im Land beachtet werden, es geht um den sensiblen Altersklassenübergang der Juniorinnen, die Organisation des Spielbetriebs bei weiten Fahrtwegen sowie die spezifische Gewinnung und Bindung ehrenamtlicher Trainerinnen.

Dies erfordert die tägliche Arbeit von Fachleuten. Diese Aufgaben verlangen eine dauerhafte, exklusive Konzentration auf diesen Bereich. Eine Reduzierung dieser Expertise auf zwei Einzelstimmen in fachfremden Ausschüssen, die ohnehin eklatant männlich dominiert sind, führt zum sofortigen Verlust dieser mühsam aufgebauten Fachkompetenz auf Verbandsebene.

 

  1. Das bürokratische Eigentor – Verlängerung der Entscheidungswege

 Die Verbandsführung begründet die Reform mit der Reduzierung von Abstimmungsproblemen und zu vielen Schnittstellen. Das vorgeschlagene Modell bewirkt das Gegenteil. Da der Spielbetrieb der Frauen und Mädchen spezifische Fachkompetenz erfordert, müssen die künftigen Vertreter diese Themen auch weiterhin isoliert bearbeiten. Es entsteht faktisch ein informeller Ausschuss innerhalb des größeren Gremiums. Gleichzeitig müssen diese Ergebnisse im Nachgang mit zwei separaten Großausschüssen koordiniert werden. Die Reform verkürzt keine Wege. Anstatt Bürokratie abzubauen, schafft dieses Modell zusätzliche Abstimmungsprozesse, verkompliziert die Zuständigkeiten und verlangsamt Entscheidungen im Verband.

 

  1. Ein verheerendes Signal und die Isolation im Bundesvergleich

 Während der DFB und 18 der 21 Landesverbände ihre eigenen Frauen- und Mädchenausschüsse oder vergleichbare Gremien gezielt stärken, um den anhaltenden Boom des Frauenfußballs administrativ abzusichern, leitet Brandenburg eine Kehrtwende ein, die ein fatales Zeichen nach außen setzt:

Diese Abschaffung vermittelt der Öffentlichkeit, den Sponsoren und den aktiven Vereinen die Botschaft, dass eine eigenständige weibliche Interessenvertretung in Brandenburg nicht mehr erwünscht ist und der Frauen- und Mädchenfußball im FLB an Relevanz verliert.

Das beschädigt die Position eines ostdeutschen und damit sowieso schon strukturschwachen Fußballverbands innerhalb des NOFV und des DFB und wirft diesen in der Entwicklung des Frauen- und Mädchenfußballs um Jahre zurück. Es entwertet außerdem die Arbeit der Ehrenamtlichen, die an der Basis unter erheblichem Aufwand neue Mannschaften aufbauen.

 

  1. Vier Jahre Blockade im Falle des Scheiterns

Die Auswirkung dieser Strukturreform ist aufgrund des vierjährigen Verbandsturnus auf Jahre hinaus unumstößlich. Der nächste reguläre Verbandstag findet erst im Jahr 2030 statt. Sollte sich das neue Modell als Fehlkonstruktion erweisen, die den Spielbetrieb lähmt und zu Mannschaftsabmeldungen führt, ist eine Korrektur für vier Jahre ausgeschlossen.

Für die Entwicklung einer gesamten Generation junger Spielerinnen im Land Brandenburg bedeutet dieses unüberlegte Experiment ein unkalkulierbares Risiko und einen dauerhaften sportlichen Rückschritt, auch im Vergleich zu anderen Landesverbänden.

 

Unser klarer Auftrag an Sie als Delegierte

Die Vereine unseres Landesverbandes haben geliefert. Sie haben in den vergangenen Jahren mit unzähligen ehrenamtlichen Stunden, hohem persönlichem Einsatz und finanziellen Opfern dafür gesorgt, dass der Frauen- und Mädchenfußball in Brandenburg zu einer lebendigen, wachsenden und dynamischen Erfolgsgeschichte geworden ist.

Nun liegt die Verantwortung bei Ihnen, den Delegierten der Vereine, diesen sportlichen Erfolg auf dem Verbandstag auch politisch abzusichern.

Verbandsstrukturen sollten dem Sport dienen, nicht der Sport den Strukturen. Eine Modernisierung, die mit dem Abbau von Mitbestimmung beginnt, verdient diesen Namen nicht. Wer heute die eigene Stimme des Frauen- und Mädchenfußballs abschafft, nimmt ihm morgen die Zukunft.

Wir fordern Sie daher auf: Verhindern Sie einen bürokratischen Rückschritt, der den Brandenburger Fußball auf Jahre hinaus lähmen wird. Stimmen Sie im Oktober gegen die Auflösung des Frauen- und Mädchenausschusses. Sichern Sie unserem Bereich die demokratische Substanz und das politische Gewicht, das ihm zusteht.

Mit sportlichen Grüßen

Leon Fiedler
Cheftrainer Frauen, SG Blau-Weiß Beelitz 1912/90

Sascha Böhm
Leiter Frauen- & Mädchenbereich, Ludwigsfelder FC

 

Sowie die Vertreter der Vereine

1.FC Frankfurt / OderSC Eintracht Miersdorf/Zeuthen
Eintracht Königs WusterhausenSC Oberhavel Velten
FC DeetzSG Michendorf
FC Energie CottbusSG Mildenberg 23
FC Falkenthaler FüchseSG Phönix Wildau
FC Neuenhagen 1913SG Schwanebeck 98
FSV AdmiraStorkower SC
FSV Babelsberg 74SV Blau-Weiß Lubolz
FSV Forst BorgsdorfSV Empor Schenkenberg
Heideseer SVSV Falkensee-Finkenkrug
RSV Eintracht 1949SV Grün-Weiß Brieselang
RSV Mellensee 08