Sekunden fehlen zum Titel: C-Juniorinnen verlieren dramatisches Finale im Neunmeterschießen

Noch wenige Sekunden. Auf der Ludwigsfelder Bank stehen längst alle. Die ersten Arme gehen bereits nach oben, der Landesmeistertitel scheint zum Greifen nah. Dann segelt ein letzter Ball in den Strafraum. Wenige Augenblicke später herrscht Fassungslosigkeit. Statt grenzenlosem Jubel fließen Tränen. Der Ludwigsfelder FC hat das Finale um die Landesmeisterschaft gegen den SV Babelsberg 03 nach einem dramatischen 3:3 nach Verlängerung im Neunmeterschießen verloren. Ein Spiel, das allen Beteiligten wohl noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Die Vorzeichen waren klar. Dreimal waren beide Mannschaften in dieser Saison bereits aufeinandergetroffen, dreimal hatte der LFC gewonnen. Gleichzeitig wusste jeder, dass diese Statistik in einem Finale nichts mehr wert sein würde. Die bisherigen Duelle hatten immer von Leidenschaft, Intensität und Emotionen gelebt. Auch diesmal war schnell zu spüren: Wer bereit ist, alles auf dem Platz zu lassen, wird sich am Ende durchsetzen.

Der LFC erwischte den perfekten Start. Bereits in der 4. Minute brachte Nisa ihre Mannschaft früh mit 1:0 in Führung. Danach entwickelte sich das erwartet intensive Finale. Beide Teams schenkten sich keinen Meter, klare Torchancen blieben zunächst Mangelware. Nach gut einer Viertelstunde verlor Ludwigsfelde jedoch etwas den Faden. Das Passspiel wurde ungenauer, die Laufbereitschaft nahm ab und auch in den Zweikämpfen fehlte die letzte Konsequenz. Babelsberg erkannte diese Phase sofort, gewann mehr Spielanteile und erhöhte den Druck. Nach einer unübersichtlichen Situation im Strafraum reagierte eine 03-Spielerin am schnellsten und drückte den Ball zum 1:1 über die Linie.

Mit diesem Ergebnis ging es in die Pause. Die Trainer fanden dort deutliche Worte. Mehr Bewegung, mehr Mut und vor allem wieder die Leidenschaft, die diese Mannschaft über die gesamte Saison ausgezeichnet hatte.

Zunächst änderte sich nach Wiederanpfiff allerdings wenig. Babelsberg blieb griffig und belohnte sich schließlich mit einem sehenswerten Angriff. Eine präzise Flanke von der rechten Seite fand am langen Pfosten ihre Abnehmerin, die per Kopf zum 2:1 traf. Jetzt war der LFC endgültig gefordert. Und die Antwort ließ nicht lange auf sich warten.

Nur wenige Minuten später schlug Kimi einen langen Ball Richtung Tor. Die Babelsberger Torhüterin konnte den Ball nicht festhalten. Nisa reagierte blitzschnell, umkurvte die Keeperin und schob zum viel umjubelten 2:2-Ausgleich ein. Jetzt war Ludwigsfelde wieder da. Mit jeder Minute gewann der LFC mehr Kontrolle. Die Mannschaft spielte mutiger, lief konsequenter an und drängte auf die Führung. Zweimal rettete das Aluminium für Babelsberg, weitere gute Möglichkeiten blieben ungenutzt.

Die Entscheidung musste in der Verlängerung fallen. Die ersten fünf Minuten verliefen weitgehend ereignislos. Beide Mannschaften wirkten müde, jeder Fehler konnte jetzt über Titel oder Enttäuschung entscheiden. Dann kam die 97. Minute. Leni setzte sich auf der linken Seite mit viel Entschlossenheit durch. Statt noch einmal querzulegen, zog sie einfach ab. Mit einem frechen Abschluss per Pike überraschte sie die Babelsberger Torhüterin. Der Ball schlug ein. 3:2 für den Ludwigsfelder FC.

Jetzt gab es plötzlich nur noch einen Gedanken: durchhalten. Die Minuten zogen sich endlos. Jeder gewonnene Zweikampf brachte den Titel ein Stück näher. Jeder geklärte Ball wurde auf der Bank gefeiert. Zwei Minuten Nachspielzeit wurden angezeigt. Dann blieb unsere Torhüterin Spielerin verletzt liegen. Auch diese Unterbrechung wurde noch nachgespielt. Eigentlich war die Zeit längst vorbei.

Noch einmal landete der Ball im Seitenaus. Der Schiedsrichter entschied fälschlicherweise auf Einwurf für Babelsberg. Eine Entscheidung, die auf Ludwigsfelder Seite für heftige Proteste sorgte. In der Unübersichtlichkeit griff eine LFC-Spielerin den Ball auf, weil sie davon ausging, dass die Situation noch nicht freigegeben war. Statt Einwurf gab es Freistoß für Babelsberg.

Ein letzter Ball. Auf der Ludwigsfelder Bank standen längst alle. Den Schlusspfiff herbeisehnend und jederzeit bereit den Platz voller Freude zu stürmen. Der Freistoß flog hoch in den Strafraum, der Ball wurde immer länger, segelte über alle hinweg und senkte sich hinter der etwas weit vor ihrem Tor stehenden LFC-Torhüterin ins lange Eck.

3:3.

Für einen Moment verstand niemand, was gerade passiert war. Der Pokal schien bereits in Ludwigsfelder Händen zu liegen. Nun war alles anders. Kurz darauf beendete der Schiedsrichter die Partie. Die Partie musste ihre Entscheidung in der undankbarsten aller Arten finden: Neunmeterschießen.

Zunächst trafen beide Mannschaften sicher. Die ersten drei Schützinnen auf jeder Seite verwandelten trocken. Der vierte Ludwigsfelder Versuch strich knapp über das Tor. Rückstand. Babelsberg nutzte diese Chance , verwandelte den nächsten Ball sicher und auch der fünfte Versuch, knallhart in die Mitte geschossen, zappelte im Netz. Damit war klar: Babelsberg hat den Landesmeistertitel.

Viele unserer Spielerinnen sanken weinend zu Boden, andere standen regungslos auf dem Platz und blickten einfach nur ins Leere. Auch auf der Tribüne brauchte jeder erst einmal einen Moment, um zu begreifen, was gerade passiert war. Diese Niederlage wird noch eine Weile wehtun. Wer den Titel schon fast in den Händen hatte und ihn nur wenige Sekunden vor Schluss wieder verliert, verarbeitet so etwas nicht auf der Heimfahrt. Natürlich wird jeder dieses Finale noch oft im Kopf durchspielen. Hier vielleicht eine andere Entscheidung. Dort ein anderer Laufweg. Vielleicht das zweite Tor schon früher nachlegen. Diese Gedanken gehören zu so einem Spiel dazu. Sie ändern aber nichts an dem, was diese Mannschaft in den vergangenen Monaten geleistet hat.

Brandenburger Hallenlandesmeister im Winter, Halbfinale im Landespokal und nun bis auf wenige Sekunden dran am Landesmeistertitel. Viel näher kann man einem Double aus Hallen- und Feldtitel kaum kommen.

Der Pokal geht in diesem Jahr nach Babelsberg.

Der Respekt vor dieser Ludwigsfelder Mannschaft bleibt. Denn Charakter zeigt sich nicht nur beim Gewinnen. Charakter zeigt sich vor allem dann, wenn einem der größte Traum in der letzten Sekunde entrissen wird und man trotzdem wieder aufsteht. Genau das wird diese Mannschaft tun.