Fragt man jemanden nach dem perfekten Aufbewahrungsort für einen frisch gewonnenen Pokal, dürften die Antworten von der Vereinsvitrine bis zum heimischen Nachttisch reichen. Die D-Juniorinnen des Ludwigsfelder FC hatten am Samstagnachmittag eine ganz eigene, herrlich unkonventionelle Idee: die Kabinendusche. Zusammen mit einer dröhnenden Boombox, klitschnassen Trikots und einer ausgelassenen Polonaise feierte die Trophäe dort ihren Einstand. Genau 302 Tage nach ihrem allerersten gemeinsamen Training belohnten sich die Mädchen im eigenen Waldstadion für eine außergewöhnliche Saison und krönten sich zur besten Mannschaft Brandenburgs. Es ist ein ganz besonderer Triumph, denn noch nie zuvor konnte eine D-Jugend des Vereins den Landespokal nach Hause holen.
Der Weg zu diesem denkwürdigen Tag war geprägt von großem Ehrgeiz. Fast auf den Tag genau vor einem Jahr standen einige dieser Mädchen schon einmal im Finale, mussten damals aber nach einer klaren Niederlage den anderen beim Feiern zusehen. Diese Enttäuschung entwickelte sich über die Monate hinweg jedoch zum ultimativen Treibstoff. Spätestens als der LFC im Halbfinale den favorisierten Dauerpokalsieger Eintracht Wandlitz – immerhin viermaliger Sieger in Serie – in einer packenden Partie mit 2:1 aus dem Wettbewerb kegelte, war klar: Dieses Jahr muss es klappen, und das auch noch im eigenen Wohnzimmer.
Doch die Vorzeichen brachten eine ganz eigene Last mit sich. Gegen den Finalgegner Eintracht Miersdorf/Zeuthen ging der LFC nun als klarer Favorit ins Rennen. Zwar rangierten die Gäste in der Tabelle auf einem starken dritten Platz, doch die Bilanz des LFC mit über 100 mehr geschossenen Toren sprach eine deutliche Sprache. Dass dieses Pokalfinale aber eigenen Gesetzen gehorchen könnte, bewies das knappe Ergebnis im Hinspiel in der Liga, als der LFC-Siegtreffer zum 2:1 erst tief in der Nachspielzeit fiel. Die Fallhöhe in diesem Endspiel war also deutlich. Die Nervosität im Vorfeld war groß, sie waberte durch die Kabinen, ergriff das Trainerteam ebenso wie die Familien auf den Rängen.
Als die Mädchen schließlich das Stadiongelände betraten, wich die Anspannung purem Staunen. Die wochenlange, akribische Planung der Organisatoren hatte Früchte getragen. Es war angerichtet wie bei einem großen Endspiel, sinnbildlich war für beide Teams der rote Teppich ausgerollt. Und die Kulisse hielt, was die Vorbereitungen versprachen: Rund 250 Zuschauer verwandelten die Tribüne in ein rot-weißes Tollhaus – eine absolute Rekordkulisse für ein Spiel in dieser Altersklasse.
Vom Anpfiff weg fegte der LFC-Express jegliche Zweifel beiseite. Schon in den ersten Minuten prüften Sophie und Leni die gegnerische Torhüterin mit vielversprechenden Abschlüssen. In der 6. Minute folgte die frühe, erlösende Explosion. Leni fasste sich aus halblinker Position ein Herz, zog ab, und ihr abgefälschter Schuss senkte sich unhaltbar in die lange Ecke. Auf dem Platz, an der Seitenlinie und auf der Tribüne gab es kein Halten mehr. Die frühe Führung beruhigte die Nerven und gab dem Team noch mehr Sicherheit und damit noch mehr Dominanz.
Nun rollte Angriff um Angriff auf das Miersdorfer Tor. Die Gäste versuchten zwar, mit gefälligem Kombinationsspiel über die agile Mila und Kapitänin Martha dagegenzuhalten, liefen sich aber immer wieder an einer aufmerksamen Abwehr fest. Emilia und Lina verteidigten im Verbund kompromisslos, während Greta im Zentrum eine taktische Meisterleistung ablieferte. Sie stand gefühlt immer richtig und fing die langen Bälle der Eintracht reihenweise ab, noch bevor Gefahr entstehen konnte.
Nach vorne kurbelte die unermüdliche Zoey das Spiel unaufhörlich an, während Leni, Sophie und Nisa die gegnerische Defensive beschäftigten. In der 24. Minute belohnte sich die Mannschaft für den Dauerdruck: Nisa fing gedankenschnell einen Abstoß ab, fackelte nicht lange und zog aus gut 15 Metern ab. Der Ball erwischte die Torhüterin auf dem falschen Fuß – 2:0. Nur drei Zeigerumdrehungen später der nächste Geniestreich: Wieder hämmerte Nisa den Ball aus der Distanz Richtung Tor, die Keeperin lenkte das Leder an die Latte, doch beim Abpraller schaltete Sophie am schnellsten. Für den Bruchteil einer Sekunde schien die Zeit stillzustehen, als sie überlegte, ob sie den Ball mit dem Kopf, der Brust oder dem Fuß über die Linie drücken sollte. Sie entschied sich für den Fuß und stellte auf 3:0. Dass Miersdorf in der gesamten ersten Halbzeit keinen einzigen Torschuss verzeichnen konnte, zeigt die Dominanz des LFC eindrucksvoll.
In der Halbzeitpause gab es für das Trainerteam kaum etwas zu korrigieren. Die zweite Hälfte verlief folgerichtig etwas ruhiger, der LFC schaltete spürbar einen Gang herunter, kontrollierte aber weitgehend das Geschehen. In der Schlussphase bäumte sich Miersdorf jedoch noch einmal auf. Mila setzte ihre Mitspielerin mit einem genialen Steilpass in Szene, doch LFC-Torhüterin Timea warf sich mutig dazwischen. Nach einem harten Zusammenprall hielten alle kurz den Atem an – Schmerzen an der Hand, kurzes Schütteln, aber Timea biss auf die Zähne und spielte weiter. In der 53. Minute war allerdings auch sie machtlos, als erneut Mila die Lücke fand und Stürmerin Nelly eiskalt zum 3:1-Anschlusstreffer einschob. Ein kurzes Aufbäumen keimte bei den Gästen auf, doch die Ludwigsfelderinnen agierten in den Schlussminuten defensiv hochkonzentriert und ließen nichts mehr anbrennen.
Dann kam der erlösende Schlusspfiff. Es war der Moment, in dem alle Dämme brachen. Spielerinnen, Trainer und Auswechselbank stürmten den Rasen, begruben sich gegenseitig in einer riesigen Spielertraube. Tränen der Erleichterung und des puren Glücks flossen, während die Miersdorferinnen die Niederlage schnell und bemerkenswert fair akzeptierten – ein großes Abklatschen und gegenseitiger Respekt rundeten dieses sportliche Fest und dieses rundweg faire Spiel ab.
Der absolute Höhepunkt ganz klar: Die Siegerehrung. Als der goldene Pokal endlich in den Brandenburger Himmel gestreckt wurde, kannte der Jubel keine Grenzen mehr. Es folgten Wasserduschen, spritzender (Kinder-)Sekt und jede Menge Fotos mit dem glänzenden Pott, ehe die Feierlichkeiten in die Kabine verlagert wurden, wo der Pokal schließlich sein eingangs erwähntes Duschbad nehmen durfte.
Dieser Erfolg ist das Ergebnis einer außergewöhnlichen Geschichte. Dass diese Mannschaft so erfolgreich ist, liegt nicht allein am außergewöhnlichen Talent oder taktischer Reife. Der wahre Grund liegt tiefer. Zu Saisonbeginn fand sich hier eine Gruppe zusammen, die innerhalb kürzester Zeit eine wunderbare Entwicklung durchmachte: Aus gerade noch größtenteils fremden Mitspielerinnen wurden schnell echte und beste Freundinnen. Der Zusammenhalt, den dieses Team immer und immer wieder ausstrahlt, ist absolut bemerkenswert. Wenn eine Spielerin strauchelt, fangen sie drei andere auf. Sie pushen sich gegenseitig in Sphären, die man im Verein in dieser Form selten erlebt hat. Die sportlichen Erfolge sind dabei das direkte Produkt dieser bedingungslosen Freundschaft. Wer für seine Freundin den Extra-Meter läuft, ist als Team kaum zu schlagen.
Dieser Titel bleibt eine Erinnerung fürs Leben. Und das Beste daran: Die Reise ist noch nicht vorbei. Die Meisterschaft ist greifbar, das Double möglich. Doch alles, was jetzt noch kommt, ist reiner Bonus. Diese 302 Tage der harten Arbeit, des Lachens und des gemeinsamen Wachsens kann diesen Mädchen niemand mehr nehmen. Das Beste: Diese eingeschworene Truppe wird zusammenbleiben und sich gemeinsam weiterentwickeln – eine wunderbare Nachricht für den Mädchenfußball in Ludwigsfelde.
Ein solches Fußballfest ist jedoch nur möglich, wenn das Fundament stimmt. Der Ludwigsfelder FC richtet ein tief empfundenes Dankeschön an alle, die diesen Tag zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht haben. Das Ambiente war schlichtweg hervorragend, was auch die überschwänglichen Rückmeldungen zu den anschließenden Finalspielen der C- und B-Juniorinnen sowie der Frauen zeigten. Ein großer Dank gilt dem Sponsor IFA für die großartige Unterstützung, dem Fußball-Landesverband Brandenburg für die reibungslose Zusammenarbeit und der Freiwilligen Feuerwehr Genshagen, die das Event professionell absicherte. Nicht zuletzt gilt der Dank den Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern für ihre exzellenten Leistungen, den engagierten Eltern, die stundenlang gebacken, gezapft, gekocht und gegrillt haben, und natürlich diesen fantastischen Mädchen, die den Rasen im Waldstadion zum Beben brachten. Ludwigsfelde ist stolz auf seine Pokalsiegerinnen!
Die Ludwigsfelder Pokalsiegerinnen heißen:
Timea, Lina, Emilia, Greta, Louisa, Leni, Nisa, Sophie, Nora, Zoey, Elsa, Hannah und Sophia
Fotos: Ingo Alms / Malte Achilles